Letzte Bearbeitung: 1. August 2020 © MEC Bergheim (Erft) e. V.
Der CV 29 und „Lange Adressen“
Das DCC Protokoll erlaubt die Verwendung vierstelliger Lokadressen und kann einem Fahrzeugdekoder eine Adresse im Bereich von 1 bis 9999 zuweisen. Lokadressen werden wie alle anderen Werte in Konfigurationsvariablen - den CVs - abgelegt. Für die Adressen 1 - 127 - den „kurzen Adressen“ - ist der CV 1 reserviert. Für den Adressbereich darüber reicht die Speicherkapazität micht mehr aus, andere CVs sind beteiligt. Natürlich könnten alle vohandenen Loks einfach mit 1 beginnend durchnummeriert werden, der Fuhrpark muss erstmal 127 Loks stark sein. Dieses Verfahren ist in technischer Hinsicht zwar einwandfrei allerdings wenig intuitiv. Deshalb verwenden alle im Club betriebenen Loks vierstellige Adressen, konkret: Die ersten vier Stellen der Betriebsnummer. Erwächst daraus eine Dopplung wird die erste, zweite, vierte und fünfte Ziffer verwendet. Ist auch diese Adresse schon vergeben fällt die Wahl auf die fünfte und sechste Stelle. Allein die Adresse läßt schon auf einen bestimmten Loktyp schließen. Das Verfahren ist genauso auf Lokomotiven ausländischer Bahngesellschaften oder Privatbahnen anwendbar, auch diese Fahrzeuge haben in der Regel eine Betriebsnummer, die freilich vom deutschen System abweichen kann. Die Programmierung an sich ist keine große Sache. Moderne Zentralen wie die Intellibox (Uhlenbrock), DR5000 (digikeijs) oder Ecos (ESU) erledigen den Job anwenderfreundlich und sekundenschnell, alle erforderlichen Schritte und Operationen geschehen im Hintergrund. Nun es gibt Zentralen, die zwar lange Adressen ausgeben aber selbst nicht direkt programmieren können. Es gibt sogar den Fall, dass selbst eine Intellibox die Segel streicht, weil der Dekoder nicht mitspielt. Was jetzt? Die Lösung: Programmierung „zu Fuß“. Voraussetzung dafür ist die Zentrale ist in der Lage, lange Adressen ausgeben die Zentrale beherrscht allgemein die CV Programmierung der Dekoder ist für lange Adressen ausgelegt (trifft auf alle modernen Dekoder zu) Zu programmieren sind die CVs 17, 18 und 29. Wie geht das Die grundlegenden Schritte zur CV Programmierung für eine bestimmte Zentrale stehen im Handbuch und sollten dort nachgelesen werden. Begrifflichkeiten Die Konstanten 192 und 256 Zur Bestimmung der den CVs 17 und 18 zuzuweisenden Werte sind ein paar simple Rechenoperationen erforderlich. In diesem Zusammenhang tauchen zwei Zahlen - 192 und 256 - auf. Es sind systembedingt unveränderliche Konstanten, wir brauchen uns um deren Herkunft nicht zu kümmern und benutzen sie einfach. Ganzzahliger Restwert Eine mit Hilfe eines Taschenrechners errechnete Division ergibt einen Ganzzahligen Wert vor dem Komma und einen Dezimalwert hinter dem Komma. Den Vorkommawert können wir benutzen, den Ausdruck hinter dem Komma als Dezimalwert nicht, wir brauchen den Dezimalwert in Form als Ganzzahligen Restwert. Beispiel: Der Rechner ergibt für 24 geteilt durch 5 das Ergebnis 4,8 aus. 4 ist der Vorkommawert, 8 der Dezimalwert. Für dieses einfache Beispiel läßt sich der Ganzzahlige Restwert auch im Kopf bestimmen, das Ergebnis ist 4. Rechenweg: Der Vorkommawert - hier 4 - multipliziert mit dem Divisor - hier 5 - ergibt 20. Dieser Wert von der zu dividierdenden Zahl subtrahiert - die Differenz von 24 minus 20 - ergibt den Ganzahligen Restwert: Ergebnis 4. Der Ganzzahlige Restwert ist immer kleiner als der Divisor. Der Divisor für die Berechnung der „Langen Adresse“ ist die oben erwähnte Konstante 256, der Ganzzahlige Restwert wird also eine Zahl zwischen 0 und 255 sein. Beispiel: Der Dekoder soll die Adresse 7192 erhalten Schritt 1: Ein Taschenrechner liefert für die Division von 7192 mit der Konstanten 256 das Ergebnis 28,094 Schritt 2: Den Wert vor dem Komma - hier 28 - plus der Konstanten 192 = 220 in den CV 17 schreiben Schritt 3: Mit dem Nachkommawert - 094 - können wir nichts anfangen, wir brauchen den Ganzzahligen Restwert - hier 24 Rechenweg: Den Vorkommawert - hier 28 - multipliziert mit dem Divisor 256 ergibt 7168. Die Differenz - 7192 minus 7168 - ergibt 24, den Ganzzahligen Restwert. Schritt 4: Mit dem Restwert - 24 - den CV 18 beschreiben, fast fertig Der CV 29 Der Dekoder muss nur noch angewiesen werden, die Adresse nicht mehr aus CV 1 zu beziehen, sondern die beschriebenen Werte der CVs 17 und 18 zu verwenden. Jetzt kommt der CV 29 ins Spiel. Der Dekoder schaut dort nach, welcher CV die Adresse bereithält. Aufbau der Konfigurationsvariablen CV 29 Ein CV ist ein Byte oder 8 Bit lang. Ein Bit ist entweder gesetzt - 1 - oder nicht gesetzt - 0 - Bit 1: ist es gesetzt ändert die Lok ihre Fahrtrichtung, der Fahrregler zeigt „vorwärts“, die Lok fährt aber rückwärts Wert: 1 Bit 2: ist es gesetzt, versteht der Dekoder 28/128 Fahrstufen und nicht mehr nur 14 Wert: 2 Bit 3: ist es gesetzt, akzeptiert die Lok auch analogen Gleichstrom, im Club wird z.B. digital gefahren, der Besitzer betreibt noch eine analoge Heimanlage Wert: 4 Bit 4: ist es gesetzt, kann der Dekoder via RailCom mit der Zentrale kommunizieren, das ergibt nur einen Sinn, wenn die Anlage dafür vorbereitet ist Wert: 8 Bit 5: ist es gesetzt, bezieht der Dekoder seine Fahrstufenanweisungen aus den CVs 67 - 92 und nicht mehr aus der in den CVs 2, 5 und 6 festgelegten vereinfachten Kennlinie Wert: 16 Bit 6: dieses Bit ist dafür verantwortlich, ob der Dekoder - nicht gesetzt - eine kurze Adresse bis 127 oder - gesetzt - eine lange Adresse > 127 verwendet Wert: 32 Die Bits 7 und 8 werden nicht verwendet. Der Wert des CV 29 ergibt sich aus den aufaddierten Werten der gesetzten Bits. Hinweis: Manche Dekoderhersteller nummerieren die Bits von 0 bis 7, die Logik bleibt jedoch gleich. Abschluß der Programmierung Schritt 5: Den CV 29 auslesen und den Wert 32 für das zu setzende Bit 6 hinzuaddieren und in den CV 29 zurückschreiben. Der Dekoder hört jetzt auf die im Beispiel angewendete lange Adresse 7192 Typische Konfigurationen für den CV 29 sind Wert 6: Bit 2 und Bit 3 gesetzt, 28 Fahrstufen, analoger Fahrbetrieb und kurze Adresse (bis 127) Wert 38: Bit 2, Bit 3 und Bit 6 gesetzt, 28 Fahrstufen, analoger Fahrstrom und lange Adresse (an 128)